Warum Bio?

Warum eigentlich Bio?

Die Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben (in Vorbereitung) möchte als Bürgeraktiengesellschaft die regionale Wirtschaft unterstützen. Durch ein Investment in Betriebe in der ökologischen Landwirtschaft, (Bio-)Handel, Lebensmittelhandwerk oder Gastronomie werden die Konsumenten zu Prosumenten (Produzenten & Konsumenten). Sie stehen dabei sowohl am Anfang der Handelskette, als Teilhaber von produzierenden Betrieben, sowie am Ende, als Konsumenten. Dabei beteiligt sich die Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben (in Vorbereitung) nur an Unternehmen, die sich einem nachhaltigen und ökologisch verträglichen Handeln verpflichten.

Nun kann man sich fragen, warum die Bürgeraktiengesellschaft nur in ökologische Betriebe investiert. Für uns ist die Antwort auf diese Frage die Antwort auf die vielfältigen Probleme, vor denen wir aktuell als Gesellschaft stehen. Wir wollen keine Massentierhaltung, keine Pestizidbelastung bei Obst und Gemüse, kein gentechnisch verändertes Soja als Futtermittel in deutschen Mastställen und auch keine erhöhten Nitratwerten in unserem Grundwasser.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen. Doch wir möchten weit darüber hinaus. Wir stellen uns die Frage:

Wie soll die Welt von morgen aussehen?
Wie soll unsere Region morgen aussehen?

Und dabei geht es um weitaus mehr als nur bio.

Zunächst ein kleiner Überblick darüber, was ökologische Landwirtschaft im Sinne des EU-Siegels und einiger Anbauverbände konkret bedeutet.

Bio ist mehr!

  • Mehr Platz für Tiere
  • Mehr Zugang zu Sonnenlicht und Auslauf
  • Mehr Düngemittel und Futter aus hofeigenen Kreisläufen (erwünscht)

Bio ist weniger!

  • Weniger Dünger und kein mineralischer Stickstoffdünger
  • Weniger CO2-Emissionen pro Hektar auf dem Acker
  • Keine vorbeugende Antibiotikagabe in der Tierhaltung
  • Kein Kupieren von Schnäbeln bei Geflügel
  • Keine überlange, künstliche Beleuchtung
  • Geringere Belastung von Obst und Gemüse mit Pestiziden und Schwermetallen
  • Geringere Belastung durch Antiobiotikarückstände in Milch
  • Weniger Zusatzstoffe in Lebensmitteln
  • Schonende Verarbeitung von Lebensmitteln (z.B. eine seltene Homogenisierung bei Frischmilch)
  • Keine gentechnisch veränderten Pflanzen oder Futtermittel

Betriebe, die das EU-Bio-Siegel tragen, werden jährlich kontrolliert. Nur Lebensmittel, die dieses Siegel tragen, dürfen als “öko” oder “bio” beworben werden.

Unsere Partnerbetriebe wie der Obsthof Hund in Meckenbeuren und der Marktstallhof (Horb am Neckar) arbeiten bevorzugt nach den Prinzipien verschiedener Anbauverbände, deren Kriterien bezüglich Tierwohl und Nachhaltigkeit weit über das Maß der EG-Öko-Verordnung hinaus gehen.

Was unterscheidet BIOLAND-Produkte von EU-Bio?

Einige Eckpfeiler als Beispiele:

  • Die Teilumstellung eines Betriebes ist nicht möglich. Der Betrieb muss zu 100% die Bioland-Richtlinien einhalten.
  • Daher ist eine maximale Menge an Stickstoff-Düngung pro Hektar und Jahr vorgegeben.
  • Der Zukauf von Wirtschaftsdünger ist streng limitiert. Ein möglichst großer Teil des benötigten Stickstoffs soll aus dem eigenen Betrieb stammen.
  • Gülle, Jauche und Geflügelkot aus konventioneller Haltung sind verboten, wie auch bedenkliche, organische Handelsdünger wie Blut-, Fleisch- und Knochenmehle und Gärreste konventionellen Ursprungs.
  • Pflanzenschutzmittel mit chemisch-synthetischen Pyrethroiden (Insekten-Nervengifte) sind bei Bioland generell verboten.
  • Die maximale Zahl von Tieren je Flächeneinheit ist begrenzt. Sie ist bei Geflügel und Mastschweinen niedriger angesetzt als es die EG-Öko-Verordnung zulässt.
  • Ganzjährige Silage-Fütterung verboten. Für Tiere in einem Alter von über 12 Monaten wird Weidegang obligatorisch im Sommerhalbjahr eingefordert, um so das natürliche Verhalten zu ermöglichen und die Tiergesundheit zu fördern.
  • Zulässige Lebensmittelzusatzstoffe bei Bioland: 24 (konventionell über 300).

Auf der Webseite des Umweltinstituts finden Sie weitere Vergleiche EU-Öko-Verordnung und den Richtlinein verschiedener Anbauverbände: Unterschiede zwischen der EU-Verordnung Ökologischer Landbau und den Richtlinien der Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter Stand: 08/2014

Tomaten im Gewächshaus im Bio-Anbau
Erde statt Steinwolle: beim Anbau nach Bioland-Richtlinien sind Ersatzsubstrate wie Styromull oder Steinwolle nicht zugelassen.

60 Prozent aller Bio-Milchkühe in Baden-Württemberg stehen im Landkreis Ravensburg. Nicht nur das ist ein Grund, warum die Landkreise Ravensburg und der Bodenseekreis / Landkreis Konstanz vom Land Baden-Württemberg zu “Bio-Musterregionen” ernannt wurden. Seit Jahrzehnten ist die Region Bodensee-Oberschwaben ein Inkubator für ökologische Pionierbetriebe. Die folgenden, von der Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben (in Vorbereitung) unabhängigen Betriebe zeigen, dass hier die Vision einer nachhaltigen, gemeinwohlorientierten Landwirtschaft vorangetrieben wird.

Mehr als nur Bio: Pionierbetriebe in Bodensee-Oberschwaben

Wesensgemäße Milchviehhaltung: Das DEMETER Hofgut Rengoldshausen (Überlingen) sticht besonders im Bereich der Milchviehhaltung hervor. Die Milchkühe leben hier länger, im Schnitt 8,8 Jahre alt, manche bis zu 16 Jahren. Im Vergleich: Das Leben einer deutschen Durchschnittskuh dauert 3,4 Jahre. Beim täglichen Trieb in den Melkstand oder auf die Weide wird nach der Methode des “Low-Stress-Stockmanship” gearbeitet. Dies sorgt für einen stressarmen, sicheren und effizienten Umgang mit den Tieren, wodurch sich diese wohler fühlen. Alle Jungtiere bleiben im Betrieb und dürfen, gemäß einer wesensgemäßen Kälberaufzucht, die ersten Monate bei ihren Müttern trinken.

Bioland und Demeter züchten das Zweinutzungshuhn von morgen: Ganz egal ob bio oder konventionell, Hühnerrassen sind heutzutage auf einseitige Leistung gezüchtet. Entweder sie gewinnen schnell an Gewicht oder sie legen möglichst viele und gleichmäßige Eier. Es gibt kaum eine Hühnerrasse, die in beiden Bereichen sinnvoll genutzt werden kann. Nicht nur für Verbraucher ist das Töten der Küken nach wenigen Stunden nicht mit dem Gedanken an eine nachhaltige Landwirtschaft vereinbar, besonders Bio-Geflügelhalter plagt das schlechte Gewissen, zumal sie abhängig von konventionellen Zuchtkonzernen sind; eigene Bio-Zuchtlinien gibt es kaum. Doch die Tiere in Freilandhaltung haben andere Ansprüche als solche, die in riesigen Hallen herangezogen werden. Diesem Dilemma widmet sich seit einiger Zeit die“Ökologische Tierzucht gemeinnützige GmbH”, welche gemeinsam von den Anbauverbänden Bioland und Demeter gegründet wurde. Seit März 2015 arbeitet dieser Träger an der Weiterzüchtung eigener ökologischer Zweinutzungshühner. Tiere also, bei denen die weiblichen Hühner als Legehennen großgezogen werden und die männlichen Tiere zur Mast.

Transparenz vom Acker bis nach Hause: Wer sich auf den kleinen Straßen durch das Bodensee-Hinterland bei Herdwangen schlängelt, wird wohl kaum damit rechnen, dass dort Kaffee auf den Feldern der Bioland-Betriebe Kelly und Warnke wächst. Doch wer hier an Bohnenkaffee der Sorte “Arabica” denkt, der liegt natürlich falsch. Der Kaffee “Lupinello”, der hier wächst, wird aus den reifen Samen der Süßlupine gewonnen. Jeder Schritt, vom Säen der Lupinenpflanzen bis zum finalen Verpacken des gemahlenen Lupinenkaffees, findet direkt vor Ort statt. Nach der Ernte werden die Samen gereinigt und zunächst gelagert, damit der gemahlene Lupinenkaffee möglichst frisch ist. Anschließend werden die Samen in einem großen Ofen geröstet, gemahlen und zuletzt verpackt. Schließlich wird der Lupinenkaffee an zahlreiche Verkaufsstellen und an Endkunden versandt, die über den eigenen Online-Shop bestellen.

Besuche (d)eine(n) Bio-Landwirte: Bisher ist es noch nicht ausreichend gelungen, die besonderen Leistungen von Bio-Anbau und –Handel in das Bewusstsein der Kunden in Stadt und Land zu bringen. Erst recht nicht, wenn es darum geht, den Verbraucher als wertgebenden Akteur aktiv mit einzubinden. Hierfür braucht es lokal wirksame Möglichkeiten, um eine Handelskultur der Teilhabe zu entwickeln. Die Initiative WIR. Bio Power Bodensee ist ein Netzwerk von Erzeugern, Großhandel, Naturkosthändlern und Konsumenten und bietet eine Plattform für Informationen, Hof- und Geschmackserlebnisse. Regelmäßige Führungen laden dazu ein, eine neue partnerschaftliche, verbindliche Form des miteinander Wirtschaftens zu entwickeln.

Wie hilft eine Regionalwert AG dabei?

Die Kernidee der Regionalwert AG ist es, mithilfe von Bürgeraktien in regionale Betriebe entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette zu investieren – also in Bauernhöfe, Lebensmittelhandwerk, Handel und Gastronomie. Alle Stufen der Wertschöpfung zur Beschaffung der Lebensmittel werden einzelbetrieblich veranlagt, können sich jeweils spezialisieren und sind trotzdem Teil eines größeren Ganzen. Die negativen Folgen der Spezialisierung werden durch die Verknüpfung in der Struktur der Regionalwert AG ganz oder teilweise wieder aufgehoben. Dies geht weit über die Zusammenarbeit bei der Vermarktung der Produkte hinaus. Darüber soll mit Bürgerkapital ein Regionalverbund für ökologische und sozial nachhaltig produzierte Lebensmittel aufgebaut werden. Das Ergebnis: Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Betriebe und gute Lebensmittel bleiben in der Region. Außerdem wird mehr Land ökologisch bewirtschaftet und KonsumentInnen können für ihre eigene Ernährungssouveränität Verantwortung übernehmen.

Diesen Dialog möchten wir als Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben (in Vorbereitung) transparent und nach ausgewiesenen Kriterien gestalten. Nur so ist die Wirkung des eingesetzten Geldes stets nachvollziehbar und wird von allen Beteiligten aktiv beeinflusst und mit verantwortet.

Wir als Konsumenten und Bürger können mitbestimmen!

Die Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben (in Vorbereitung) investiert in Bio…

… weil es Mensch, Tier und Natur in den Mittelpunkt stellt. Daher engagieren wir uns für den Aufbau einer nachhaltigen Regionalwirtschaft. Wir verbinden dabei gewissenhaftes Wirtschaften mit sozial-ökologischer Wertschöpfung.

Als Gründungsaktionärinnen und -aktionäre der Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben (in Vorbereitung) ermöglichen Sie mit Ihrem Investment eine Landwirtschaft, die Biodiversität fördert und unser Klima schützt. Für eine nachhaltige, lebenswerte Zukunft.

Mitmacher Mitmacherinnen gesucht, nachhaltiges Investment

Logo regional und nachhaltig investieren